Hervorragende Auschwitz-Dokumentation

Das 3. Reich – ein Quell der Erkenntnis

Superlative im Bösen, aber auch im Guten, alles wurde auf die Spitze getrieben

Der Analyse der Nazizeit in allen Facetten und hinsichtlich aller Hintergründe galt stets ein besonderes Interesse meinerseits, weil jene Zeit voller Superlative war, im Bösen wie im  Guten, so dass sie das volle Spektrum dessen, wozu Menschen fähig sind, widerspiegelt. Auch ansonsten Superlative, wohin man schaut: Totale Überwachung, totale Gleichschaltung, totale Durchdringung aller Gesellschaftsschichten und Altersklassen durch politische Zwangsorganisationen, totaler Terror gegen Andersdenkende, totale Propaganda, totaler Krieg, totale Finanzwirtschaft (die Amerikaner nannten den ehemaligen Reichbankpräsidenten und Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht nicht grundlos „Finanzmagier“), totaler Irrsinn („Der Führer hat immer recht“, „Rassenhygiene“, Euthanasie), totale Forschung (die Sieger rissen sich 1945 um das technische Know-How und Deutschlands Techniker), totale Versklavung im Sinne von planmäßiger Verheizung durch Arbeit – alles so total, dass es totaler nicht mehr zu gehen scheint. In einigen Punkten waren die Sowjets allerdings noch totaler: Die dortige Bevölkerung musste im Krieg 7 Tage je Woche jeweils 12 Stunden arbeiten, wenn sie nicht an der Front kämpfte, und wer in feindliche Gefangenschaft geriet, wurde als Landesverräter eingestuft; Stalin ließ seinen eigenen Sohn in einem deutschen KZ sterben, weil er nicht bereit war, ihn gegen deutsche Generale auszutauschen.

Durch die Betrachtung des Totalen werden die Konturen des Seins in maximaler Weise geschärft, durch sie lernt man die Menschen in all ihren Varianten wirklich kennen, während  sich die Varianten  im ereignislosen Zivilisationsalltag doch so weitgehend zu gleichen scheinen, dass man sich kaum vorzustellen vermag, dass der eine oder andere innerlich so weit entmenscht ist, dass er Mütter und Kinder ins Gas schicken und anschließend auch noch schlafen könnte.

Doch nicht nur das: Man lernt auch, wie Machtergreifung und Machtausübung funktionieren und welche Grenzen letzterer gesetzt sind. So, wie ein Körper Antikörper gegen feindliche Bakterien und Viren bilden kann, lassen sich auf der Grundlage des exakten Erkennens der Funktionalitäten im Dritten Reich geistige Antikörper gegen diktatorische und sonstige Menschen verachtende Entwicklungen bilden, die früh Alarm schlagen und Methoden zur Gegensteuerung anbieten.

Wer etwa weiß, wie Häftlinge sich in KZ wie Buchenwald und Dachau organisierten, also unter schwierigsten Bedingungen gerade dann, wenn sie dem SS-System in Wahrheit die Stirn zu bieten gedachten, welchen Prinzipien sie dabei zwangsläufig folgten, also folgen mussten, der versteht, warum man z.B. mit 08/15-Systemopfern, die vor allem jammern und um Hilfe rufen können, während ihnen die Schicksale aller anderen egal sind, absolut nichts anfangen kann, dass man in vielen Fällen auch dann hart sein muss, wenn man es eigentlich nicht will: Man darf sich in schwierigen Lagen nur dann mit anderen zusammentun, wenn sie einen eisernen Willen haben, über ein gewisses (relativ hohes) Mindestmaß an Intelligenz und ein gesundes Sozialverhalten verfügen, weil jede Abweichung von diesen Prinzipien die Kampfkraft der Gruppe entscheidend schwächt und unter Umständen eine erhebliche Gefahr für die ganze Gruppe heraufbeschwört. Eugen Kogon schildert eindrucksvoll die Kooperation von solchen Häftlingen im KZ Buchenwald, die dem System klar ablehnend gegenüberstanden, aber mit der SS kooperieren mussten, um sich einerseits selbst durchzubringen, andererseits aber auch möglichst viel Gutes für die übrigen Häftlinge tun zu können.

Robert Siewert, ein von der Bundesrepublik unterschlagener Held im 3. Reich

Ein genialer Held in diesem Zusammenhang war Robert Siewert, der mehrfach Juden und andere Häftlinge erfolgreich vor der SS beschützte, unter anderem polnische Jugendliche vor der Erschießung bewahrte, indem er der SS klarmachte, dass das zerbombte Deutschland nach dem Krieg händeringend Maurer benötigen werde und er dabei sei, die jungen Polen zu Maurern auszubilden, nachlesbar unter anderm in „Der SS-Staat“ von Eugen Kogon. Das hier ist ein Bild von Robert Siewert, einem der sympathischsten, aber auch der gewieftesten  Widerstandskämpfer im 3. Reich, der es als KZ-Häftling gelegentlich schaffte, SS-Wachmänner quasi stramm stehen zu lassen (indem er ihnen energisch erklärte, dass das, was er wollte, eine pure Notwendigkeit für Deutschland sei – das war sein Trumpf-As, gefürchtet von der SS-Lagerbürokratie):

Robert Siewert - hier war ein Bild von Wikipedia

und, in späteren Jahren:

Hier war ein Bild Robert Siewerts von Wikimedia

Siewert war Kommunist, aber kein Bolschewist oder Stalinist – er stand für einen menschlichen Kommunismus. Das war und ist wohl der Grund dafür, dass bundesdeutsche Geschichtsschreibung und Medien ihn praktisch unterschlagen: Wenn er wenigstens Gründe geboten hätte, ihn durch den Dreck zu ziehen… Aber einen humanen Kommunisten, der im KZ ungezählte Menschenleben gerettet und noch mehr Menschen vor Übergriffen der SS bewahrt hatte als Helden zu würdigen, während Konrad Adenauer den Chefkommentator der Nürnberger Rassengesetze, Hans Maria Globke, zu seinem Staatssekretär und zum eigentlichen Kanzler gemacht hatte, der u.a. maßgeblich am Aufbau des Bundesverfassungsschutzes beteiligt war, während das BKA von ehemaligen SS-Leuten aufgebaut wurde, der BND vom Nazi-Chef der Auslandsspionage „Fremde Heere Ost“, Reinhard Gehlen,  gegründet worden war, während die Mörderpolizisten von der Bittermark, und „Bittermark“ war überall,  die in letzter Minute Gewerkschafter und andere „Systemfeinde“ aus ihren Häusern geholt hatten, um sie in Wäldern zu erschießen, unbestraft blieben und Polizeidienst taten, als hätte es das 3. Reich nicht gegeben,  Romberg während neue Nazi-Richter die alten Nazi-Richter und -Staatsanwälte von jeder Schuld freisprachen – das ging natürlich nicht, wo wären wir denn da hingekommen?

Wo wären wir hingekommen, wenn man einen humanen Kommunisten zurecht als Helden der Menschlichkeit gewürdigt hätte, während schlimmste  Schwerverbrecher der Nazi-Zeit die CDU und die Staatsbehörden okkupierten?

Das sind leider Tatsachen. Adenauer hatte gemeint, wenn man kein sauberes Wasser habe, dann müsse man eben mit schmutzigem Wasser wischen. Ja, der Boden der BRD wurde mit schmutzigem Waasser gewischt, und so ist eben das Ergebnis:

Betreffend Auschwitz – unbedingt anhören!

Um nachzuempfinden, was in Auschwitz wirklich geschah und wie es geschah, habe ich bisher nichts Besseres finden können als die Aussage des Dr. Otto Wolken, ehemaliger Häftlingsarzt im KZ-Auschwitz, im Frankfurter Auschwitz-Prozeß. Er hatte beobachtet und tiefgreifend analysiert, seine Aussagen decken sich im Wesentlichen mit dem, was man aus anderen Quellen entnehmen kann, z.B. Kogons Buch „Der SS-Staat“, der „Der Orden unter dem Totenkopf“ von Heinz Höhne und Aussagen des ehemaligen SS-Ermittlungsrichters Dr. Konrad Morgen, der wegen (von der SS-Führung ungewollte) Straftaten von KZ-Personal ermittelte, z.B. Korruption, und sich daher auch in den KZ Auschwitz und Auschwitz-Birkenau beliebig umsehen und alles erklären lassen konnte.

Hier nun die Aussage von Dr. Otto Wolken, die meines Erachtens Pflichtprogramm im politischen Schulunterricht sein sollte – doch wer kennt Dr. Otto Wolken? Ich habe mehrere Bücher über die Nazizeit gelesen, u.a. „Hitler“ von J.C. Fest, die Bücher von Knopp, die genannten Bücher von Kogon und Höhne, zudem alle Medienartikel, die mir begegneten, doch den Namen Dr. Otto Wolken kannte ich bisher nicht, obwohl er vermutlich die umfassendsten und präzisesten Aussagen über das wirkliche Geschehen in Auschwitz machen konnte UND wollte, letztlich also machte:

Der von Wolken beschriebene Umgang mit den Juden war nichts anderes als die logische Konsequenz aus Nazi-Rassenhass und totalem Krieg, bei dem alle Ressourcen mobilisiert und alle Möglichkeiten der Einsparung von Ressourcen genutzt werden mussten. Schon von daher ist der Massenmord an Juden, Sini, Roma und russischen Kriegsgefangenen nicht zu bezweifeln: Wer aus NS-Sicht unnützer und noch dazu lebensunwerter Esser war, musste umgebracht werden, das war schon einem beachtlichen Teil des polnischen Volks zugedacht, was zu extremer Nahrungsknappheit für Millionen Polen geführt hatte („Der Orden unter dem Totenkopf…“, „Hitler“ von J.C. Fest) und war von Anfang des Russlandfeldzugs an für eine zweistellige Millionenzahl von Russen geplant (u.a.: „Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten“, Reinhard Kühnl), logisch, dass man mit Juden, die man zudem auch noch ausrauben konnte, bei immer knapper werdenden Ressourcen nicht anders umging. Man kann es drehen, wie man will: Der selbstgemachte Krieg war das Verbrechen, das den Völkermord in Anbetracht der Kräfteverhältnisse automatisch nach sich zog, und es muss entsprechend damit aufgehört werden, Eroberungskrieger als bedeutende Persönlichkeiten zu glorifizieren: Alexander „der Große“ war kein Held, sondern ein Schwerverbrecher, dasselbe gilt für Cäsar, Napoleon und wie sie alle heißen. Alexander „der Große“ und Cäsar ließen Städte dem Erdboden gleichmachen, auch sie brachten Frauen, Kinder und Alte in Massen um.   Den sauberen Krieg hat es niemals gegeben, es kann ihn gar nicht geben, denn bereits das Wesen des Kriegs ist abgrundtief schmutzig, zielt Krieg doch darauf, den Feind durch Zerstörung und Bedrohung zur Unterwerfung zu zwingen. Effizienter Krieg muss daher gnadenlos sein, was nur dann gerechtfertigt sein kann, wenn man durch ansonsten unabwendbare Not zum Kampf gezwungen wird. Das war bei den Hitlerschen Kriegen unzweifelhaft nicht der Fall, Deutschland blühte wirtschaftlich, als der Krieg gegen Polen begonnen wurde, und der Krieg gegen Polen führte unmittelbar zu solchen Ausschreitungen der SS, dass Wehrmachtsgenerale empört protestierten und die als Kriegsberichterstatterin ausgesuchte Lenie Riefenstahl jede weitere Arbeit als Kriegsberichterstatterin ablehnte, nachdem sie Zeugin eines Massakers geworden war; man kann auch in den Gesichtern der jungen Wehrmachtssoldaten lesen, was sie von dem hielten, was sie da sehen mussten:

So sieht die Gloria des Kriegs aus, in höchstem Maße abscheulich. Warum werden die Kriegsmacher dann aber in den Geschichtsbüchern glorifiziert? Warum nicht diejenigen, die es verstanden, mit ihren Nachbarn in Frieden und Freundschaft zu leben, die das Gute förderten und sich dem Bösen entgegenstellten? Wie z.B. der König Ashoka? Kennt niemand.  Soll auch niemand kennen. Schließlich ist Kapüitalismus ja nichts anderes als Krieg mit wirtschaftlichen Mitteln, und der Kapitalismus ist ja heilig.

Dipl. Kfm. Winfried Sobottka, UNITED ANARCHISTS

3 Gedanken zu „Hervorragende Auschwitz-Dokumentation

  1. Pingback: Hervorragende Auschwitz-Dokumentation — Winfried Sobottka vom Januar 20, 2021 | haluise

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