Wladimir Wladimirowitsch Putin bereitet Angriffskrieg vor

Schroeder: Winfried Sobottka, ist es nicht eine sehr kühne Behauptung, dass Wladimir Putin einen Angriffskrieg vorbereite?

Winfried Sobottka: Nur, weil man es noch nicht in der BILD, im SPIEGEL, FOCUS und im STERN nachlesen kann? Dort wird man es erst lesen, wenn Putin aus symbolischen Gründen im Kanzleramt schlafen wird. Man bedenke, dass die Friedensbewegungen Europas die Nazis 1934 feierten, weil sie sich glaubwürdig klingend als aus Vernunftsgründen überzeugte Kriegsgegner darstellten, die es begriffen hätten, dass ein „moderner“ Krieg für alle Beteiligten eine Katastrophe wäre. Wer damals in Paris behauptet hätte, Hitler werde einen Weltkrieg beginnen, wäre für verrückt erklärt worden. Stalin glaubte nicht an einen deutschen Angriff, obwohl er mehrfach gewarnt war. Selbst als über 3 Millionen Soldaten unter deutscher Führung in die Sowjetunion eingedrungen waren, konnte Stalin es noch nicht fassen. Und heute können die Menschen es sich nicht vorstellen, dass Putin einen großen Krieg plant.

Schroeder: Du aber kannst es Dir nicht nur vorstellen, sondern gehst sogar davon aus, dass Putin Europa erobern will?

Winfried Sobottka: Die politischen Gebilde Russlands waren immer schon expansiv orientiert, die Russifizierung des nördlichen Teils von Asien bis hin zum Pazifik, teils sogar bis einschließlich Alaskas, geschah ja nicht vor dem Hintergrund fehlenden Expansionswillens. Die Fokussierung auf Hitler als Kriegsbetreiber macht heute noch viele dafür blind, dass die Sowjetunion sich Polen mit Hitler teilte, ihren Anteil auch nach 1945 behielt, sich das Baltikum einverleibte, Teile Finnlands, Rumäniens, der Tschechoslowakei und die nördlichen Kurilen okkupierte, Letzteres, nachdem sie Japan ein paar Tage vor der japanischen Kapitulation den Krieg erklärt hatte. Und nun ist Putin, der seinen Persönlichkeitsmerkmalen nach ein Machtmensch ist, ja auch dabei, sich die Ukraine wieder einzuverleiben.

Schroeder: Aber ein russischer Angriffskrieg auf Europa geht doch gar nicht. Dafür sind die USA und Europa zusammen viel zu stark….

Winfried Sobottka: Es kommt auf die Art der Kriegsführung an. Im deutsch-französichen Krieg 1870/71 wurden erstmals Waffen eingesetzt, die auf Distanzen von über 1000 Metern töten konnten. Der 1. Weltkrieg wurde von der Infanterie dominiert, was in Grabenkämpfen endete. Der zweite Weltkrieg wurde von Panzern und Flugzeugen dominiert, man setzte auf Mobilität und Luftraumbeherrschung. Der nächste Krieg wird keinem der vorhergegangenen großen Kriege ähneln können, das ist sicherlich auch dem Putin klar.

Schroeder: Worauf soll er denn dann setzen?

Winfried Sobottka: Für Hitlers Kriegsführung waren seine Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg von entscheidender Bedeutung – das Vermeiden von Grabenkampfsituationen gehörte zu seinen wichtigsten Anliegen. Daher fanden die Vertreter mobiler Kriegsführung beim ihm offene Ohren, Panzergenerale, Luftwaffengenerale und SS-General Felix Steiner, der den Typus des athletischen Soldaten formte und die Vorwärtsgeschwindigkeit von Infanterieeinheiten zu maximieren versuchte.

Putin hat keine Erfahrung als Frontsoldat, aber Erfahrung als Geheimdienstler. Und als Geheimdienstler weiß er, dass man Organisationen nicht vernichten muss, um sie zu besiegen, dass es stattdessen reicht, ihre Funktionalität lahmzulegen, sie ihrer Führung zu berauben oder sie zu unterwandern.

Schroeder : Und warum investiert er dann in Superwaffen wie Interkontinentalraketen, die über 20.000 Kilometer pro Stunde fliegen?

Winfried Sobottka: Das hat z.Z. psychologische Gründe, er will jedem klarmachen, dass eine konventionelle militärische Auseinandersetzung mit Russland der helle Wahnsinn aus Sicht der Gegner Russlands wäre. Aber natürlich können solche Waffen auch in Putins Kriegsszenario wichtig sein.

Parallel dazu läuft ein anderes Programm, das z.B. die US-Botschaftsangehörigen in Kuba und China zu spüren bekamen, und auch der deutsche Botschafter und Merkel-Vertraute in Peking, Jan Hecker, wird kaum an nichts gestorben sein. Und sonst? Russische Hacker haben das Internet längst stark infiltriert, neulich waren WhatsAPP, Facebook und Instagramm lahm gelegt, heute erfuhr ich, dass Amtsgericht und Landgericht Osnabrück aktuell keinen Faxempfang haben, weil ein Zentralsystem ausgefallen sei, das viele Behörden versorge. Man hoffe aber, in der nächsten Woche (heute ist Dienstag…) wieder Faxe empfangen zu können.

Mit 50 schnellen Raketen, gerüstet mit konventionellen Sprengköpfen, kaum stärker als konventionelle WK-II-Bomben, kann man Deutschland verkehrstechnisch zu über 90% lahmlegen, jeder Autofahrer weiß, was ein Bombenkrater anstelle des Kamener Kreuzes oder einer anderen Hauptschlagader des Autoverkehrs bedeuten würde. Liegt der Autoverkehr lahm, dann liegt auch der Zugverkehr lahm, weil beide verstrickt sind.

Schaltet man dann noch ein paar Steuerzentralen aus, legt die wichtigsten Kommunikationssysteme lahm – dann können russische Panzer nach Deutschland rollen, ohne einen einzigen Schuss abgeben zu müssen. High-Tech Krieg ist nicht zerstörerisch, sondern, auch aus dem Blickwinkel von Eroberern wesentlich vorteilhafter, werterhaltend. Man kann dem Putin fast alles nachsagen, aber eines garantiert nicht: Er ist nicht blöd.

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