Fischsterben Oder – werden wir belogen?

„Die Zeit“ schreibt am 15. August 2022 online:

„Am 4. August habe das Umweltschutzamt in Wrocław (Breslau) in Proben, die bei dem Ort Oława in der Schleuse von Lipki entnommen wurden, eine toxische Substanz festgestellt. Am 9. August sei bei der Staatsanwaltschaft, die nun wegen eines möglichen Umweltdelikts ermittelt, Anzeige erstattet worden.“

Quelle: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2022-08/fischsterben-oder-ursachen-faq?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

Andererseits schreibt „Die Zeit“ im selben Artikel:

„Warum waren die Laboranalysen bisher erfolglos?…“

und klärt über die Methodik der chemischen Analyse auf: Man muss einen Verdacht haben, welche Substanz das Problem sein könnte, dann kann man feststellen, ob sie es ist. Merkwürdig: wenn die Polen doch schon am 5. August eine toxische Substanz festgestellt haben – dann wissen sie doch, welche es ist! Warum nennt „Die Zeit“ diese „toxische Substanz“ dann nicht beim Namen? Und warum soll sie nun nicht der Auslöser sein, da man ja scheinbar nach anderem sucht, nach einer noch unbekannten Substanz?

Da kann doch irgendetwas nicht stimmen…

Vor diesen Hintergründen sollte es einen sehr nachdenklich machen, dass man schließlich lesen muss:

„Es besteht ein Restrisiko, dass die Ursache des Fischsterbens nicht gefunden wird“, sagt von Tümpling.

(ebenda)

Ich fasse zusammen: Man hat eine toxische Substanz gefunden, was eigentlich dazu hätte führen müssen, dass die Polen sofort die Deutschen unterrichteten, was ja dafür spricht, dass diese „toxische Substanz“ Auslöser des Fischsterbens ist, sagt aber nicht, welche Substanz es war, sucht nun (angeblich?) nach einem anderen Auslöser, den man, das sagt man schon jetzt, vielleicht niemals finden werde. Alles klar?

Was noch bemerkenswert ist

„Der Sauerstoffgehalt stieg sprunghaft an, der pH-Wert stieg ebenfalls in den alkalischen Bereich, die Trübung des Wassers nahm zu, die sogenannte UV-Absorption erhöhte sich – ein Summenparameter für die Gewässerbelastung durch bestimmte gelöste organische Substanzen – und das Wasser enthielt deutlich weniger Nitrat-Stickstoffverbindungen.

(ebenda)

Ab einem bestimmten PH-Wert im alkalischen Bereich wird das verhältnismäßig harmlose Ammonium, erste Stickstoffverbindung beim Eiweißabbau, in das hochgiftige Ammoniak umgewandelt. Der PH-Wert war in den alkalischen Bereich (> 7,0) gestiegen, leider erfährt man nicht, wie weit. Die Umwandlung von Ammonium in Ammoniak würde allerdings auch die „deutlich weniger Nitrat-Stickstoffverbindungen“ erklären, denn Ausgangssubstanz für Nitrit und Nitrat ist das Ammonium, nicht Ammoniak. Auch der sprunghaft gestiegene Sauerstoffgehalt würde dazu passen: Die Umsetzung von Ammonium in Nitrit und von Nitrit in Nitrat wird von Bakterien geleistet, die Sauerstoff verbrauchen. Wird Ammonium in Ammoniak umgewandelt (Chemiker mögen mir meine laienhafte Ausdrucksweise verzeihen), dann haben die Nitrosoma-Bakterien, die Ammonium in Nitrit umwandeln, vermutlich nichts zu fressen – und verbrauchen daher auch kaum Sauerstoff, so dass ceteris paribus (unter sonst gleichen Umständen) der Sauerstoffgehalt im Wasser höher sein muss.

Wird wenig Nitrit produziert, dann haben auch die Nitrobacter-Bakterien, die Nitrit in Nitrat umwandeln, nicht viel zu tun – und verbrauchen wenig Sauerstoff. Nun mag man denken: „Ja, was soll denn das, Bakterien verbrauchen doch kaum Sauerstoff“ – falsch gedacht: Das einzelne Bakterium verbraucht natürlich extrem wenig Sauerstoff, aber Bakterien vermehren sich rasant, wenn die Bedingungen stimmen, unaufhörlich, bis ein Faktor ihrer Vermehrung zum Engpass wird. Wenn die Nahrungsgrundlage da ist, wenn zudem die Temperatur stimmt, dann können Bakterien so viel Sauerstoff verbrauchen, dass sie dem Wasser allen gelösten Sauerstoff entziehen und die Fische ersticken. Nimmt man diesen Bakterien aber die Nahrungsgrundlage, dann steigt der Sauerstoffgehalt des Wassers stark an, wenn, beispielsweise durch den Gasaustausch an der Oberfläche, dem Wasser Sauerstoff zugeführt wird.

Es könnte also wie folgt gelaufen sein: Mittels irgendeiner Substanz wurde der PH-Wert des Oderwassers sprunghaft und signifikant angehoben. Unmittelbare Folge: Ammonium wurde in Ammoniak umgewandelt, Fische und Bakterien wurden getötet, die Produktion von Nitrit und Nitrat wurde stark eingeschränkt, was zu einem sprunghaften Anstieg des Sauerstoffgehalts und einem niedrigen Niveau an Stickstoffverbindungen führte.

Nachdem das Ammoniak hinreichend verdünnt war, normalisierte sich das Bakterienleben – und die Bakterien machten sich daran, die Fischkadaver zu zersetzen und vermehrten sich dabei explosiv, ebenfalls andere Einzeller (Pantoffeltierchen u.ä.), die die Wassertrübung bewirkten, sorgten so für Sauerstoffarmut, begünstigt durch Niedrigwasser in der Oder und hohe Temperaturen, und die Sauerstoffarmut ließ weitere Fische ersticken.

Das Schlechte an diesem Szenario: Innerhalb der Oder wird alles höhere Leben ausgelöscht, denn die erstickten Fische werden auch wieder sauerstoffzehrend in Stickstoffverbindungen umgesetzt. Man müsste für starke Zuführung von Sauerstoff oder Frischwasser sorgen, wollte man diesen Domino-Effekt stoppen.

Das Gute an diesem Szenario: Für die Ostsee besteht keine Gefahr, ihr Volumen ist so groß, dass sich die beschriebene Problematik aufgrund der Verdünnung des Oderwassers dort nicht fortsetzen kann.

Herzlichst!

Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka, UNITED ANARCHISTS

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..